Akupunktur

Die Akupunktur nach den Erkenntnissen der traditionellen chinesischen Medizin, oft bei uns als TCM abgekürzt, bietet als anerkannte und wichtige Therapieform Behandlungsmöglichkeiten bei verschiedenen akuten und chronischen Erkrankungen oder Beschwerden.

Auch hier liegt der Gedanke eines ganzheitlichen Systems von Körper und Seele, welches uns als Menschen ausmacht, zugrunde und Beschwerden werden als Unregelmäßigkeit bzw. Ungleichgewicht verstanden. Diese Ungleichgewichte können auf Inaktivitäten oder nicht ausreichender Aktivität bestimmter körperlicher Bereiche beruhen. 

Durch Stimulation dieser Bereiche soll sich dieses innere Gleichgewicht wieder herstellen. Diese Stimulation wird bekanntermaßen durch Setzen verschiedener feiner, einzeln steril verpackter Nadeln an exakt definierten Punkten des Körpers oder aber auch durch Wärme oder Druck erreicht.

Lebensenergie Qi

Die TCM geht davon aus, daß die Lebensenergie Qi Grundlage jeglicher Substanz ist und allem Lebendigem innewohnt.

Im Menschen sammelt sich das Qi in den Organen und zirkuliert in einem energetischen Netzwerk von Kanälen, den Meridianen.

Die Lebensenergie Qi hat im Körper verschiedene Funktionen.
Sie transportiert, transformiert, kontrolliert, schützt, erwärmt und ernährt.

Das Ursprungs-Qi gehört zum vorgeburtlichen Qi und wird durch das nachgeburtliche Qi ergänzt. Es erwärmt und aktiviert alle Organe und fördert die Entwicklung des ganzen Körpers.

Das Nahrungs-Qi  entsteht in der Milz. Es ist Ausganspunkt für die Bildung von Blut-Xue und die Basis für die weitere Umwandlung in immer feinere Qi Qualitäten. Blut-Xue hat die Funktion Haut, Muskeln, Sehnen, Knochen und innere Organe zu ernähren.

Das Atmungs-Qi wird aus der Atemluft und dem Nahrungs-Qi gebildet. Es unterstützt Herz und Lunge bei der Verteilung von Qi und Blut

Das Klare-Qi  wird aus der Natur durch Atmung aufgenommen.

Das Wahre-Qi  ist das Endstadium des Qi-Transformationsprozesses. Es ist das Qi, das in den Meridianen zirkuliert und die Organe nährt. Das wahre Qi manifestiert sich als Nähr-Qiund Abwehr-Qi. Als Abwehr-Qi schützt es den Körper vor schädigenden Einflüssen, als Nähr-Qi ernährt es den Körper und die Organe.

Da nach Vorstellung der TCM alle körperlichen und psychischen Vorgänge sich wechselseitig beeinflussen, kann Gesundheit nur gegeben sein, wenn die Lebensenergie ausgewogen vorhanden ist, ungehindert fließen kann und sich somit auch austauschen kann. Krankheit ist demnach Ausdruck einer Behinderung des Energieflusses, die durch verschiedene Faktoren verursacht werden kann, so durch äußere Faktoren (z.B.: Hitze, Kälte, Wind, Trockenheit, Feuchtigkeit) und innere Faktoren (z.B.: Freude, Angst, Zorn, Trauer, Sorge), Erbkrankheiten, ungesunde Lebensweise (z.B.: einseitige Ernährung, übermäßiges Essen, Drogen, Alkoholabusus), Traumen (z.B.: Verletzungen, Insektenstiche) sowie durch Strömungshindernisse für Blut und Qi.

Wirkung der Akupunktur

Die Akupunktur wirkt auf das zentrale und periphere Nervensystem, auf "Körpersäfte" und Hormone (humoral-endokrine Wirkung). Sie beeinflußt die Blutzirkulation und das Immunsystem. Durch die Akupunkturnadel werden Nervenzellen stimuliert und Impulse an das Rückenmark weitergeleitet und Impulse an das Rückenmark weitergeleitet. Hier werden Substanzen freigesetzt (Enkepalin oder Dynorphin), die die Schmerzübertragung verhindern und somit analgetisch wirken. Ebenso gesichert ist, daß durch Akupunktur die Produktion von Serotonin und Glukokortikoiden beeinflußt wird. Studien weisen zuden eine Berbesserung der Durchblutung durch Sympathikusstimulation sowie eine Herabsetzung des Muskel- und des Bindegewebetonus nach.

Injekto-Akupunktur

Bereits 1892 konnte WEIHE nachweisen, dass alle Krankheiten von Organen und Organsystemen sich mehr oder weniger deutlich auf die Körperoberfläche projizieren.

In diesem Zusammenhang stellte er 195 Hautpunkte fest, über die sich erkrankte Organe oder Organsysteme positiv beeinflussen lassen. Dies waren dann die so genannten Weihe`schen Druckpunkte. Hieraus, so stellte sich zu einem späteren Zeitpunkt heraus, waren 153 Hautpunkte identisch mit chinesischen Akupunkturpunkten (ohne jedoch, dass Weihe diese Punkte kannte).

Die Injekto-Akupunktur bedient sich der Akupunktur und der Homöopathie, daher wird Sie auch Homöosiniatrie genannt.

Es ist hierbei sicherlich einleuchtend, dass die Kombination von homöopathischen Heilmitteln mit der Akupunktur zu einer sehr nachhaltigen Wirkung führt, da sie

  • physisch-energetisch durch den gezielten Einstich in den Akupunkturpunkt
  • chemisch durch das gesetzte homöopathische Heilmitteldepot

zu einem Heilreflex führt.

Bei der Injekto-Akupunktur werden die Akupunkturpunkte genutzt um mit homöopathischen Medikamenten so genannte heilende Depots zu setzen.

Es wird durch Injektionen von ausgewählten Medikamenten - ähnlich wie bei der Neuraltherapie - in die entsprechenden gestörten Akupunkturpunkte Informationen für den Körper gesetzt.

Zusätzlich zu der Wirkung der Akupunktur kommt eben bei der Injekto-Akupunktur noch die Medikamenteninformation für den Körper hinzu.

Die Injekto-Akupunktur zeichnet sich als Heilverfahren besonders dadurch aus, dass sie durch die Verwendung von homöopathischen Komplexmitteln und der Kürze der Behandlung ausgesprochen erfolgreich ist.

Bei folgenden Organ- und Organsystemerkrankungen findet die Injekto-Akupunktur ihre Anwendung:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Erkrankungen der Atmungsorgane
  • Erkrankungen der Bauchorgan
  • Erkrankungen der Harn- und Sexualorgane
  • Erkrankungen des Haltungs- und Bewegungsapparates
  • Gelenkbeschwerden (Knie, Hüfte, Schulter ...)
  • Revitalisierung und Geriatrie
  • Entschlackung und Entgiftung

Ohrakupunktur

Das Ohr als Akupunkturbereich war bereits den alten chinesischen Heilkundigen bekannt.

Die Ohrakupunktur ist ein diagnostisches und therapeutisches Verfahren.

Dabei werden bestimmte Punkte der Ohrmuschel mit Akupunkturnadeln gestochen. Diese Reizung der Ohrakupunkturpunkte wirkt auf die korrespondierenden Organe des Körpers, d.h. im Ohr sind alle Körperorgane gespiegelt, genau wie bei der Fußzonenreflexmassage alle Organe auf der Fußsohle ihr Spiegelbild haben.

Wenn ein Organpunkt im Ohr angestochen wird, wird reflektorisch ein positiven Reiz in dem zugehörigen körperlichen Organfeld bewirkt.

Dadurch können Störungen und Krankheiten normalisiert, verbessert oder geheilt werden.

Die Ohrakupunktur wurde vor rund 30 Jahren von dem französischen Arzt Nogier beschrieben, als er sich dem Studium der Akupunktur widmete.

Er stellte fest, dass die Chinesen schon diese Art der Behandlung kannten. Mit Hilfe chinesischer Literatur und Ohrmodellen begann er sein Studium. Immer tiefer arbeitete er sich in die Materie ein, und fand über 110 Korrespondenzpunkte im und am Ohr, die er auf Karten festhielt.

Wozu kann man die Ohrakupunktur einsetzen?

Das Anwendungsspektrum der Ohrakupunktur ist sehr breit.

  • Sie ermöglicht beispielsweise wirksame Hilfe bei Schmerzzuständen.
  • Aber auch gegen Störungen des vegetativen Nervensystems,
  • psychische Störungen
  • und zur Suchttherapie wird sie eingesetzt.
  • Außerdem verstärkt sie die Wirkung vieler Medikamente.

Wo sind die Grenzen der Ohrakupunktur?

Keine Erfolge erzielt man mit der Ohrakupunktur bei so genannten Systemerkrankungen,

  • also beispielsweise die Zuckerkrankheit
  • und Geisteskrankheiten.
  • Während der Schwangerschaft
  • und bei Menstruation

sollte man Ohrakupunktur ebenfalls nicht einsetzen.

Wie wird die Ohrakupunktur durchgeführt?

Erst wenn bekannt ist, welches Leiden vorliegt, kann man die richtigen Punkte anstechen.

Zuerst wird daher die Ohrmuschel mit Hilfe eines Drucktasters untersucht. Wenn an einem bestimmten Punkt ein Schmerz entsteht, wird er identifiziert.

Mir Hilfe spezieller Geräte kann man auch den Hautwiderstand der Ohrmuschel messen. Dabei zeigen die Korrespondenzpunkte der erkrankten Organe einen deutlich niedrigen Widerstand als die Punkte der gesunden Organe. Auch dadurch kann der Akupunkteur Rückschlüsse auf mögliche Krankheiten ziehen.

Die Therapie

Wenn die Punkte gefunden und die Diagnose gestellt ist, wird das Ohr sorgfältig mit Alkohol desinfiziert. Der Therapeut sucht eine passende Nadel und sticht sie etwa 2 Millimeter tief in die ausgewählten Akupunkturpunkte. Als zusätzlichen Reiz können die Nadeln gedreht werden.

  • Stimuliert man die Nadeln im Uhrzeigersinn, bewirkt dies eine Anregung.
  • Gegen den Uhrzeigersinn gedreht wirkt die Stimulation beruhigend.

Im Normalfall bleiben die Nadeln etwa acht Minuten lang liegen, bevor sie herausgenommen werden.

Eine andere Form der Nadelung ist die mit Dauernadeln. Sie wird  in der Suchttherapie häufig angewand.

Die Nadeln sind winzig klein und werden mit einem speziellen Pflaster im Ohr befestigt. Sie schmerzen nicht, und der Vorteil ist man sieht sie kaum. Nach ein paar Tagen werden sie wieder entfernt und das nicht behandelte Ohr wird genadelt.

Ansonsten bei der normalen Nadelung werden vier bis fünf Sitzungen im Abstand von einigen Tagen angesetzt, bei denen dann jeweils drei bis sechs Nadeln appliziert werden.

Eine Sonderform der Ohrakupunktur ist das injizieren von Medikamenten in die Ohrpunkte, was besonders bei Schmerzzuständen sehr erfolgreich ist.